12. December 2017

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Wohin dein Herz dich trägt

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Entscheidungen. Sie sind allgegenwärtig. Manchmal einfach, manchmal schwer, manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Treffen tun wir sie aber ständig.

Nehmen wir einmal mein Verfassen dieses Textes hier. Um ihn in dem schnuckeligen Café, in dem ich gerade sitze, schreiben zu können, habe ich mich heute für folgende Dinge entschieden:

  • aufzustehen
  • das Haus zu verlassen
  • in dieses Viertel zu fahren, um heute (nicht gestern oder morgen) etwas zu erledigen
  • nach dieser Besorgung zu dem Café, das mir hübsch erschien, zurückzukehren
  • es tatsächlich zu betreten
  • jetzt einen Text zu schreiben, obwohl ich müde bin
  • das Thema festzulegen
  • das Notebook zu öffnen, statt weiter vor mich hinzuträumen (war auch schön)

Und vermutlich noch einige mehr, die mir, na klar, nicht bewusst sind.

Während ich diese Entscheidungen für mich getroffen habe, hat ein paar hundert Kilometer weiter eine Frau auch eine Entscheidung getroffen und sie heute amtlich bekräftigt. Sie hat nun auch ihr zweites Kind, ein paar Monate alt, dem Kindsvater (der nicht ihr Ehemann ist) überlassen. Die ältere Tochter lebt bereits bei ihm, mit dem an ihn abgetretenen vollen Sorgerecht. Die Mutter ist gesund, die Kinder ebenso. Auch hat sie sich keines kriminellen Deliktes schuldig gemacht. Sie liebt beide Kinder wirklich sehr. Warum also tut sie das? So banal es klingen mag für manche Ohren: Sie folgt dem Ruf ihres Herzens.

Was, das ist alles? Warum um Himmels Willen überlässt sie ihre Kinder dann dem Vater, „einfach so“? Weil das Jugendamt ihre Art zu leben, für die sie sich entschieden hat, nicht gelten lässt. Und die Familie des Kindsvaters auch nicht. Diese Frau hat vor ein paar Monaten, kurz nach der Geburt ihrer zweiten Tochter, den Wohnsitz in Deutschland abgemeldet, alles verkauft, was sie hatte, und zieht seither in der Welt umher, schläft (zumeist mit ihrem Lebensgefährten), wo sie Unterkunft findet (und das geht von Matratzenlagern in Hausfluren bishin zu luxuriösen Hotelzimmern), isst, was die Menschen ihr schenken (und abgemagert ist sie dabei kein bisschen). Sie hat sich für die volle Freiheit entschieden und will sich selber und den Menschen zeigen, dass ein Leben ohne Materialismus auch außerhalb eines indischen Ashrams, mitten in Europa möglich ist. Ihr geht es gut, dem Kind geht es gut, beide sehr happy. Nur eben die Ämter und die Familie seitens des Kindsvaters nicht.

Diese Frau hat sich nun in aller Radikalität für ihren Herzensweg entschieden. Dafür wird sie von einigen als herzlos beschimpft. Wie könne eine Mutter nur so etwas tun, das würde sie noch bitter bereuen, das wäre ja der Gipfel und so weiter und so fort. Ich denke, an ihrem Beispiel können wir alle hervorragend üben, nicht zu (ver)urteilen und jeden, wirklich jeden Menschen genau so sein zu lassen, wie er sein möchte. Sie hat für sich erkannt, dass ihr Kinder ihr nicht „gehören“, sie sind kein Besitz. Und sie lebt, was sie möchte. Dazu gehören keine juristischen Streitigkeiten, mit niemandem. Ja, radikal sicherlich.

Aber was wäre unsere Welt ohne die Radikalen? Ohne die, die anders dachten und so der Menschheit einen Ruck gaben? Werden neue Ideen nicht immer erst verlacht, dann bekämpft und schließlich kopiert, wie Henry Ford einst so weise bemerkte? Und wer von uns kann denn heute schon wirklich wissen, ob das für die Mädchen schlecht ist? Wir plappern oftmals einfach ungeprüft nach, was unsere Vorfahren, Nachbarn und Lehrer uns erzählt haben. Sicherlich wird das Urteil der Mädchen später stark davon abhängen, was ihnen ihr Umfeld über ihre Mutter erzählt. Irgendwann aber werden sie alt genug sein, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Und wenn sie nur einen Funken der Selbständigkeit und Unabhängigkeit ihrer Mutter geerbt haben, werden sie die Stärke besitzen, wirklich ihr eigenes Urteil zu fällen, sei es nun vernichtend, bewundernd oder verachtend.

Meine Mutter ist aufgewachsen in der Nachkriegszeit. Sie gehört zweifelsohne zu der Generation, die dazu erzogen wurde, sich voll und ganz für die eigenen Kinder aufzuopfern, das gehöre sich so, sonst wäre man ja eine Rabenmutter. Und wer wollte schon so gescholten werden? Ja, ich wuchs auf in dem Genuss, dass immer jemand da war, wenn ich von der Schule nach Hause kam. Und Essen war bei uns keine Tiefkühlpizza oder Asianudeln vom Thai unten. Aber ganz ehrlich: Ich habe mir mehr als einmal gewünscht (und das auch geäußert), meine Mutter würde wenigstens ein paar, ein paar ihrer eigenen Träume äußern und leben! Ich fand es grausig, dass sie sich ständig so aufopferte und immer zurücksteckte. „Ich? Ich brauche nichts“, war ein Standardsatz. Und viele meiner Leser werden nun bestimmt nicken und sagen: „Ja, so war meine Mutter auch.“

Ich weiß nicht, wie ich es gefunden hätte, wenn meine Mutter mich meinem Vater überlassen und radikal ihren Weg gegangen wäre. Bei meinem Vater (Generationenthema 2) sowieso undenkbar. Ich weiß es nicht. Warum soll ich dann, ohne diese Erfahrung gemacht zu haben, genau wissen, was für diese Kinder nun das Beste sei und was ganz schlimm? Und abgesehen davon ist es egal, wie diese Kinder es finden werden, denn sie sind nicht ich und nicht du.

Lassen wir uns doch von diesem Beispiel zu zwei Dingen anrengen. Einmal, nicht die Entscheidung eines anderen Menschen gleich zu verurteilen, schon gar nicht, wenn man ihn/sie nicht einmal kennt. Zum anderen wäre es doch schön, wenn mehr Menschen sich trauen würden, ihrem Herzen zu folgen. Es muss ja nicht immer gleich superradikal sein. Aber wenn diese Frau trotz ihrer Liebe zu ihren Kindern es schafft, sie loszulassen, um sich selber treu zu bleiben, dann könnten wir doch zumindest mal drüber nachdenken, ob wir uns nicht doch mal trauen könnten, uns woanders zu bewerben; dem Partner zu sagen, dass man das so nicht mehr will und äußern, was man stattdessen möchte; den Kleiderschrank gründlich ausmisten; das Jammern darüber, was alles schief läuft, für einen Tag lassen und stattdessen tun, was uns Freude macht.

Dem Herzen zu folgen ist nicht immer leicht. Eines ist aber ganz sicher immer schwerer: Es nicht zu tun.

~ Silvia Maria Engl

Silvia Maria Engl

Silvia Maria Engl

Intuitions- & Life Coach / Autorin / Seelentexte at Silvia Maria Engl
Einfach Lebensfreude!

Das ist das Motto, nach dem ich mein eigenes Leben gestalte. Und ich liebe es, andere Menschen dabei zu unterstützen, genau das zu erfahren - einfach (!) Lebensfreude zu spüren und zu erLEBEN. Mein Weg hat mir dabei sehr geholfen. Nicht, weil immer alles einfach gewesen wäre. Sondern gerade weil die Herausforderungen und Hürden mir gezeigt haben, wie man von "schwierig" zu "einfach" kommen kann. Das gebe ich nun mit Begeisterung weiter.
Viel (Lebens)Freude mit meinen Texten!  :-)

Gerne schreibe ich auch für Sie oder einen lieben Menschen einen ganz persönlichen Seelentext. Einmalig, individuell, von Herzen! Mehr dazu auf meiner Webseite.

Wenn Sie gerne mehr Lebensfreude und Herzensbildung in die Schulen oder Ihr Unternehmen bringen möchten, fragen Sie bei mir doch mal an bzgl. Workshops, Vorträgen u.m.

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Silvia Maria Engl
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Kommentare
Eine Antwort auf “Wohin dein Herz dich trägt”
  1. Steven sagt:

    Vielen Dank für diese Worte! Für mich sind es auch diese ermutigenden Beispielen selber immer wieder zu prüfen, welches der Weg meines Herzen ist. Oft empfinde ich die Botschaft verwirrend, unklar und mit vielen Ängsten vermengt. Oft fehlt mir der Mut mich wirklich zu meiner Intuition zu bekennen. Im Laufe der Zeit, hoffe ich, wird das Zutrauen und Vertrauen darin stärker.

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