19. October 2017

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Eine Momentaufnahme …

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Eine Momentaufnahme …

Ich sitze am Computer, schaue zum Fenster hinaus. Meine Finger liegen regungslos auf den Tasten. Ich beobachte die dicken, grauen Wolken, die sich langsam und schwerfällig am Himmel fortbewegen. Es regnet. Einer jener feinen, feuchten Niederschläge, die erwarten lassen, dass der Regen noch Stunden und Stunden andauern wird. Ein Satz hat sich in meinem Kopf festgesetzt: Was ist wirklich wichtig? Ich habe keine Ahnung, nicht den leisesten Hauch einer Idee … Und doch, irgendwo gibt es eine Regung – ein Gedanke? Irgendwo in mir drinnen bewegt sich etwas, will sich bemerkbar machen. Dieses Etwas ist so leise, so fein, ich kann es nicht fassen. Nicht verstehen. Es fühlt sich an wie ein schlankes, hartnäckiges, zähes Unkraut. Die Wurzel muss irgendwo tief verborgen sein, ich spüre nur die dünnen aber festen Ranken, die irgendwie versuchen, sich durch mein inneres Chaos hochzuarbeiten. Sie bewegen sich einmal nach rechts, dann nach links, finden aber den Weg nach oben nicht. Was ist wirklich wichtig? Ich spüre eine leichte Ungeduld, irgendwas an dieser Frage nervt. Vor allem das Wort “wirklich” irritiert mich. Wut steigt in mir hoch. Und diese katapultiert auch mein kleines inneres Rankengewächs ein Stück vor- respektive aufwärts … Warum muss etwas unbedingt wirklich wichtig sein? Und wenn es für mich wirklich wichtig ist, ist es dann für den anderen auch wirklich wichtig?

Wie ist es möglich, dass ein Wort mit acht Buchstaben mich dermassen aus dem Gleichgewicht bringen kann? “Wirklich” impliziert Wissen, recht haben, nicht recht haben, blöd sein, intelligent sein. Ich kann die Frage “was ist wirklich wichtig?” nicht beantworten, ganz einfach weil sie mich ziemlich wütend macht. Oder macht mich die Tatsache wütend, dass ich die Antwort auf diese Frage nicht weiss? Es stimmt einfach nicht für mich. Wie kann etwas wirklich wichtig sein, wenn es so viele Sachen gibt, die wichtig sind, und wenn ganz offensichtlich für jeden etwas anderes wichtig ist? Und auch das ändert sich manchmal innert kürzester Zeit … Was ist wirklich wichtig? Ich spüre, wie meine Wut etwas weniger wird, wie ich es wage, mich näher an diese Frage, an dieses eine Wort, heranzutasten. Langsam, schwerfällig, in einen grauen Nebel des Nichtwissens gehüllt … ähnlich den am Himmel vorbeiziehenden dunklen Wolken.

Ja, ich bin genervt, weil ich die Antwort auf diese Frage nicht weiss. Und weil ich überzeugt bin, dass es verschiedene gescheite Antworten gäbe, nur fällt mir gerade keine einzige ein. Das macht mich wütend. Natürlich könnte ich jetzt sagen, das Wichtigste überhaupt ist die Liebe. Liebe zu allem was da ist. Und Liebe zu mir selbst. Das fühlt sich irgendwie gut an. Man liest es ja auch überall, und viele Menschen würden vielleicht meine Meinung teilen. Also sage ich: “Was wirklich wichtig ist, ist die Liebe”. So weit so gut … Nun sollte ich diese Feststellung aber wohl auch begründen. Erklären was ich damit meine, was der Begriff Liebe überhaupt bedeutet, warum dieses Wort manchmal so anstrengend sein kann, und so weiter und so fort. Und damit stehe ich irgendwie wieder an der gleichen Stelle wie vorher. Ich weiss es nicht … Und dieses Nichtwissen löst erneut Wut in mir aus. Was mir dabei auffällt: “Liebe” löst weniger Wut aus als “wirklich”. Vielleicht weil ich der Überzeugung bin, dass man beim Gedanken an dieses schöne Wort nicht wütend werden darf? Aber der Gedanke an all die Wünsche, Erwartungen, Vorstellungen, ja Gesetzmässigkeiten, die wir in dieses eine Wort – Liebe – hinein projiziert haben, machen mich ganz schwindelig.

Zurück zum Thema. Was ist wirklich wichtig? Inzwischen ist mein Nacken ganz steif. Mein Kopf fühlt sich an, als wäre er in meine Schultern einbetoniert. Ich habe – wie so oft – versucht beharrlich über den Kopf eine Lösung zu finden, in diesem Falle herauszufinden, was wichtig ist – was WIRKLICH wichtig ist.

Aber leider, bei mir funktioniert das nicht. Ich habe keine Ahnung, mein Kopf weiss keine Antwort. Und diese Wahrnehmung führt zu einer Entspannung in meinem Körper. Sicher, da ist immer noch Wut, eine gewisse Anspannung, aber es fühlt sich leichter, beweglicher an. Wo ist übrigens mein kleines Unkraut-Pflänzchen geblieben? Es ist noch da, versucht sich zu zeigen, sich verständlich zu machen. Sein Weg nach oben scheint etwas freier zu werden, weniger Chaos, weniger Blockaden… Warum – ich weiss es nicht. Und ich will es im Moment auch gar nicht wissen. Weil ich die Antwort vermutlich sowieso nicht finden würde. Etwas wissen wollen, wenn es nicht wirklich etwas zu wissen gibt, braucht ziemlich viel Energie …

Was ist wirklich wichtig? Diese Frage fühlt sich für mich jetzt anders an. Mein Körper ist lockerer, gelöster. Auch die Wolken draussen am Himmel scheinen nicht mehr nur grau und schwerfällig zu sein, sie ziehen mit einer gewissen Leichtigkeit und in verschiedenen Grau-Schattierungen an meinem Fenster vorbei. Das vielfältige Grün der Bäume bildet einen sehr schönen Kontrast zu diesem grauen Wolken-Himmel.

Was ist wirklich wichtig? Ich kann diese Frage immer noch nicht erklärend beantworten. Aber ich werde versuchen, diesem neu entdeckten Unkraut-Pflänzchen, das sich irgendwie einen Weg durch mein inneres Chaos in mein Bewusstsein bahnen will, etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das scheint mir jetzt wirklich wichtig zu sein.

Ich sitze am Computer, schaue zum Fenster hinaus. Meine Finger liegen wieder regungslos auf den Tasten. Ich beobachte die dicken, grauen Wolken. Es regnet. Was ist wirklich wichtig? Ich weiss es nicht. Vielleicht werde ich es einmal wissen … ohne es wirklich zu wissen. Wer weiss …

~ Hedy Frick


Hedy Frick
ist dipl. Ortho-Bionomy-Practitioner seit 7 Jahren mit eigener Praxis ab Juni 2013 in 8008 Zürich.

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