26. June 2017

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Fallen der Vernunft

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„Er nennt‘s Vernunft und braucht‘s allein / um tierischer als jedes Tier zu sein.“

So ließ der liebe Goethe einst Mephistopheles über den Menschen sprechen. Und ich kann dem lieben Teufel nur allzu recht geben.

Sind wir nicht die Spezies, die so stolz darauf ist, denken zu können? „Cogito ergo sum“, ließ Descartes verlauten, „Ich denke, also bin ich.“ Ist es wirklich das, was den Menschen ausmacht? Für mich fängt ein Mensch erst wirklich an, Mensch zu sein, wenn er vielmehr fühlt. Und die liebe Vernunft? Ist die denn nichts wert, fragen Sie mich jetzt vielleicht. Doch, die ist hervorragend. Sehr nützlich. Wenn man wirklich unsere Vernunft meint.

Allzu oft aber verwechseln wir da etwas gehörig. „Ich habe jetzt eine Lebensversicherung abgeschlossen, das ist vernünftig, wie ich finde.“ – „Ja, sehr vernünftig, denk nur an deine Kinder!“ Vernünftig ist vermutlich auch, das Geld, das man mit etwas verdient hat, worauf man eigentlich keine Lust hat, zu splitten und einen Teil fest anzulegen, einen Teil in Aktien zu investieren und einen Teil in Gold. Ja, sehr vernünftig, das ist sehr sicher und eine gute Sache. Vernünftig ist es wohl auch, dass wir unsere Kinder in Schulen schicken, wo sie zu Reproduktionsmaschinen heran gezüchtet werden, damit sie das Fühlen verlernen wie wir einst und sich schön auf ihren vernünftigen Kopf verlassen, der sie dann durch das gleiche System zerrt und letzten Endes krank macht. Aber vernünftig ist das.

Wir nennen es Vernunft und es ist allein / eine riesen Angst, verpackt als vernünft‘ger Schein.

Vieles von dem, was wir Vernunft nennen, ist genau das: Angst. Angst vor der Zukunft, Angst vor finanziellem Ruin, Angst vor Scheitern, Angst vor der Abkehr anderer, Angst vor Versagen, Angst, Angst, Angst. Angst vor dem Leben selbst. Das alles ist, die ganze Bandbreite. Weil wir uns aber ungern eingestehen, dass wir vor Angst nur so strotzen, nennen wir es Vernunft. Oder anders ausgedrückt: Diejenigen, die mit unserer Angst ein Heidengeld verdienen, verkaufen es uns als vernünftig, unser Geld zu ihnen zu schaufeln, damit wir nicht jetzt leben und glücklich sind, sondern immer schön brav Angst vor der Zukunft haben und sie uns dann ein gutes Gefühl verkaufen können. Denn wovon leben Versicherungskonzerne, wenn nicht von unserer Angst? Kein vernünftiger Mensch, der dem Leben vertraut, versichert sich irgendwo! Wozu? Denn sich versichern heißt, dass ich nicht glaube, dass es immer eine Lösung gibt. Ja, ich bin auch noch versichert, so ein Minimum. Aber glauben Sie mir, ich denke wirklich darüber nach, ob ich diesen Rest an „Schutz“ noch will. Und mir ist zumindest klar, warum ich überhaupt noch daran festhalte.

Wann aber wird der Mensch nun mutig und macht unvernünftige Sachen, traut sich was, wagt was? Wenn er nichts mehr zu verlieren hat. Dann gelingt es Obdachlosen, innerhalb von drei Jahren Multimillionär zu werden. Wer nichts mehr hat in dieser Außenwelt, der braucht sich auch nichts mehr darum zu scheren, was er verlieren könnte. Und so verkaufen wir uns täglich an das schöne Auto, die 30 Quadratmeter mehr, die die Wohnung heute hat gegenüber der früher (wobei man doch eigentlich genau genommen in der auch glücklich war, vielleicht sogar noch glücklicher, weil man damals irgendwie noch mehr Zeit hatte). Wir verkaufen uns an Schmuck, Parfums, Blazer und Anzüge, wir verkaufen uns an Versicherungspolicen, Bankkonten, Zinseszinsen, anerkennende Blicke der Nachbarn und wir verkaufen uns – uns selbst. Oftmals verkaufen wir uns uns selbst so gut, dass wir selber nicht mehr wissen, wer wir sind.

Das klingt für mich alles nicht so vernünftig. Aber immer noch besser als sich einzugestehen, dass man einfach die Hosen voll hat bei dem Gedanken, irgendetwas loslassen zu müssen im Falle einer Veränderung.

Dabei verändert sich das Leben ohnehin ständig. Den Körper, den Sie vor zehn Jahren hatten, gibt es längst nicht mehr; praktisch jede Zelle ist seither mindestens einmal neu entstanden. Festhalten ist Illusion, eine schöne, kuschelige. Doch seien Sie versichert: Mit Vernunft und Leben hat das alles in Wahrheit eher weniger zu tun.

Ich mache mich morgen einmal mehr auf eine Reise. Ja, auch im Außen. Letztlich aber reise ich immer nur an ein Ziel, zu mir selbst. Und ich bin mir sicher, dass sich das lohnt. So unvernünftig zu sein mein Leben auf den Kopf zu stellen und alles auf den Prüfstand, ist vermutlich das Vernünftigste, was ich in meinem bisherigen Leben getan habe. Also, ich zumindest find‘s tierisch gut!

~ Silvia Maria-Engl

Silvia Maria Engl

Silvia Maria Engl

Intuitions- & Life Coach / Autorin / Seelentexte at Silvia Maria Engl
Einfach Lebensfreude!

Das ist das Motto, nach dem ich mein eigenes Leben gestalte. Und ich liebe es, andere Menschen dabei zu unterstützen, genau das zu erfahren - einfach (!) Lebensfreude zu spüren und zu erLEBEN. Mein Weg hat mir dabei sehr geholfen. Nicht, weil immer alles einfach gewesen wäre. Sondern gerade weil die Herausforderungen und Hürden mir gezeigt haben, wie man von "schwierig" zu "einfach" kommen kann. Das gebe ich nun mit Begeisterung weiter.
Viel (Lebens)Freude mit meinen Texten!  :-)

Gerne schreibe ich auch für Sie oder einen lieben Menschen einen ganz persönlichen Seelentext. Einmalig, individuell, von Herzen! Mehr dazu auf meiner Webseite.

Wenn Sie gerne mehr Lebensfreude und Herzensbildung in die Schulen oder Ihr Unternehmen bringen möchten, fragen Sie bei mir doch mal an bzgl. Workshops, Vorträgen u.m.

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Silvia Maria Engl
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Kommentare
Eine Antwort auf “Fallen der Vernunft”
  1. Frank Ohlsen sagt:

    Toller Artikel, beschreibst du doch so wunderbar das Menschliche Wesen mit seinem Hang zum Besitz, der uns doch nicht wirklich glücklich macht.
    Die Gier treibt so viele an und sorgt doch oft für Unmut.

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