20. November 2017

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Die Schönheit der Vergänglichkeit

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Ich sehe den wahr gewordenen Wahnsinn.

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich in einem sehr komfortablen Bus in Richtung Norden. Mir wurden schon Wasser und Saft serviert und in der kleinen Box sind wohl Süßigkeiten. Die können da bleiben. Ich freue mich auf viel schöne Natur und darauf, dass ich dort ein Zuhause für einen Monat finden werde, wo ich arbeiten kann, sein kann. Zuhause sein in der so genannten Fremde, irgendwo im Goldenen Dreieck. Das Leben kann so wunderbar sein.

Das ist alles zweifelsohne sehr schön. Auch mein Blick nach links lässt mich strahlen, dort sind wunderschöne Lichtreflexionen der Abendsonne zu sehen. Was also dann ist der Wahnsinn? Der läuft fünf Meter vor mir über einen Bildschirm, wo eine thailändische „Unterhaltungsshow“ zu sehen ist. Die Kandidaten sollen ein Lied singen, während sie irgendwelchen Torturen ausgesetzt werden, von denen sie vorher nichts wissen. Papierfetzen unter dem Leguan hervorholen, das Gesicht in rohe Tintenfische getaucht bekommen, mit Farbe übergossen werden, eben wird der Sänger mit rohen Eiern beworfen. Und dabei nicht aufhören zu singen, das ist die große Kunst, die meine Mitreisenden teils freiwillig, teils gezwungenermaßen fröhlich stimmt.

Ich komme eben aus einem 10-Tageskurs Vipassana Meditation in wohl einem der schönsten Zentren, die man sich dafür vorstellen kann. Die Zeit war teils hart, sehr fordernd, nicht immer leicht. Aber die Belohnung, die letzten Tage, waren großartig. Großartig. Jedem Menschen, der nicht nur jammern will, sondern sich wirklich verändern, hin zu einem Leben ohne Leiden, dem kann ich das nur empfehlen. Dafür muss man nicht nach Thailand, das geht auch in Deutschland, der Schweiz, in Frankreich usw. (www.dhamma.org). Kostenfrei.

Jedenfalls habe ich dort vor 12 Tagen eingecheckt. Seither nur Ruhe, Frieden, Meditation, striktes Schweigen. Innere Einsichten, Lösen von Blockaden, eine tief greifende Veränderung in mir, einmal mehr. Zurück in Bangkok kam mir alles schon wie ein Traum vor. Nicht wertend, sondern einfach unendlich weit weg. Dass ich heute Morgen noch mit wunderbaren Menschen in der Natur frühstücken konnte, verblasst neben diesem Verkehrs- und Konsumterror in Betonbauten schnell. Ich schaue bei meiner Rückkehr nach Bangkok aus dem Fenster und sehe die Häuserblocks wachsen. Überall Reklame, Baustellen, Häuser an Häuser, dicht gedrängt. Ist es das, was der Mensch Fortschritt nennt?

Und dann diese Show. Das grölende Saalpublikum stimmt nun ab, wer der Sieger wird. Die Kriterien erschließen sich mir nicht, zum einen auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse, zum anderen, weil ich gar nicht hinsehen will. Zehn Tage habe intensiv meinen Geist gereinigt, nur um jetzt diesem Spektakel ausgesetzt zu sein? Gleichzeitig, während ich also innerlich den Kopf schüttle, bleibe ich ganz ruhig. Vipassana wirkt. Gleichmut wird hier geübt. Wahnsinn? In meiner Bewertung ja. Andere würden „unterhaltsam“ urteilen oder vielleicht „lustig“. Jeder eben nach seiner Façon. Ich weiß nur,  dass ich es für mich nicht mehr will. Und es wird mir nachher gelingen, auch bei der tönenden Geräuschkulisse zu meditieren. Wieso auch nicht? In mir ist es ruhig, dahin kann ich mich immer zurückziehen.

Ich hatte sehr luzide Träume, dort, in diesem Ressort der inneren und äußeren Stille. Einer davon zeigte mir sehr deutlich, dass ich auch im Moment doch nichts als träume. Was wir Realität nennen, ist eine Illusion, eine Projektion unseres Geistes. Theoretisches Wissen durch einen Traum erfahren. Uns hilft doch all unser Wissen nichts, so lange wir es nicht erfahren. Grau ist alle Theorie, bunt ist dann die Wahrheit. Und ich nähere mich ihr an. Die Reise mag noch lang sein oder kurz, wer will das schon wissen. Aber ich bin unterwegs. Unterwegs zu mir nach Hause.

Davon wird mich nichts abhalten. Auch nicht eine Show, in der sich Menschen für fünf Minuten Ruhm prostituieren, Lebensmittel zweckentfremdet werden, Tiere in Kästen gesperrt werden, damit andere schreiend ihren Kopf hinein halten müssen. Auch nicht das Internet mit all seinen Verlockungen. „Man kann Reisende nicht aufhalten.“ Wie wahr.

Wie wahr. So schließe ich meine Gedanken heute mit dem tröstlichen, dass auch dieser scheinbar wahr gewordene Wahnsinn in Wahrheit gar nichts existiert, sondern eine Projektion meines Geistes ist, der meiner Meinung nach den Zustand der breiten Masse spiegelt. Wer weiß, wenn ich diese Vorstellung mal fallen lasse, vielleicht wechseln sie ja dann auch den Sender? Einen Versuch ist es allemal wert. Denn wie lehrte der wundervolle S. N. Goenka so treffend? „It is the law of nature: Everything is impermanent.“  Es ist ein Naturgesetz: Alles ist vergänglich, nicht von Bestand. Ich weiß es nicht nur, ich habe es die letzten eineinhalb Wochen erfahren. Erlebt.

Da wird mir klar: Ich muss gar nichts tun, nicht einmal meine Sichtweise verändern: Die Show wird sowieso vergehen, irgendwann ist sie vorbei, wie einfach alles. Herrlich. Dann lasse ich nun die Zeit für mich arbeiten, lehne mich zurück und genieße den Rest der Fahrt gen Norden, gen Zukunft, während ich es mir im Jetzt bequem mache.

Und ob Sie es glauben oder nicht: Diese Show ging jetzt wirklich eben, nachdem ich das erkannt und getippt hatte, zu Ende. Das ist erlebte Magie des Gleichmuts. Mögen wir alle uns darin üben, um wach, um frei und wahrhaft glücklich zu werden

„Ich fürchte nichts. Ich hoffe nichts. Ich bin frei.“ (Nikos Kazantzakis).

(10.11.2013)

~ Silvia Maria Engl

Silvia Maria Engl

Silvia Maria Engl

Intuitions- & Life Coach / Autorin / Seelentexte at Silvia Maria Engl
Einfach Lebensfreude!

Das ist das Motto, nach dem ich mein eigenes Leben gestalte. Und ich liebe es, andere Menschen dabei zu unterstützen, genau das zu erfahren - einfach (!) Lebensfreude zu spüren und zu erLEBEN. Mein Weg hat mir dabei sehr geholfen. Nicht, weil immer alles einfach gewesen wäre. Sondern gerade weil die Herausforderungen und Hürden mir gezeigt haben, wie man von "schwierig" zu "einfach" kommen kann. Das gebe ich nun mit Begeisterung weiter.
Viel (Lebens)Freude mit meinen Texten!  :-)

Gerne schreibe ich auch für Sie oder einen lieben Menschen einen ganz persönlichen Seelentext. Einmalig, individuell, von Herzen! Mehr dazu auf meiner Webseite.

Wenn Sie gerne mehr Lebensfreude und Herzensbildung in die Schulen oder Ihr Unternehmen bringen möchten, fragen Sie bei mir doch mal an bzgl. Workshops, Vorträgen u.m.

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Silvia Maria Engl
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